Interview mit Thomas Gros

Thomas Gros ist CEO und Co-Founder von Circulee. Seit über 10 Jahren baut er Businesses in den USA auf und seit 3 Jahren auch in Europa.

Er war bereits in verschiedenen Konstellationen tätig, als C-Level Member eines Teams, in einem Corporate Umfeld, sowie als Gründer.

Flora: Wie ist die Idee von Circulee entstanden?

Thomas: Zurück in Europa wurde ich privat mit der CHG-Meridian AG, eines der weltweit führenden IT-Leasing Unternehmen für Großkunden, für die ich als Berater neue Geschäftsideen evaluierte. Eine Idee befasste sich mit den ganzen hochqualitativen Rückläufern aus dem IT-Leasing Geschäft. Daraus ist die Idee geboren, diese Geräte im klein- bis mittelständischen Segment anzubieten, um auf der einen Seite die Wertschöpfungskette zu verlängern und den Unternehmen den Weg in die Nachhaltigkeit im IT-Bereich zu vereinfachen und gleichzeitig den Zugang zu einem neuen Kundensegmenten zu ebnen. Und so ist die Idee, Circulee als eigenständiges Startup in Berlin zu gründen, entstanden.

Flora: Wie kamst du zu Circulee?

Thomas: Zuerst habe ich das Projekt als Berater konzipiert und den Aufbau des Unternehmens in die Wege geleitet. Als es dann konkret wurde, wurde ich angesprochen: "Hey Thomas, du hast da sehr viel Passion und auch viel Wissen in kurzer Zeit aufgebaut. Willst du das nicht machen? Du bist doch eigentlich Unternehmer!“. Ich habe in der Vergangenheit viele Dinge gemacht, von denen ich nicht immer überzeugt war, dass die Welt sie auch wirklich braucht. Deshalb suchte ich schon lange nach einem Projekt, bei dem ich sagen kann: Das ist ein Thema, an das ich wirklich glaube! Mit Circulee verfolgen wir das Ziel, viele kleine bis mittelständische Unternehmen von dem Mehrwert gebrauchter IT-Infrastruktur zu überzeugen und sie bei der Umstellung zu begleiten. Neben einer Kostenreduktion versprechen wir aber auch eine Reduktion des CO2-Footprints und eine Reduktion von e-Waste (Elektroschrott), der durch die Nutzung von gebrauchten Geräten entsteht. Wir arbeiten mit einem führenden Recycler für Electronics zusammen. Über 70 % der Materialen werden recycelt, also wiederverwendet. Für mich war das eine einzigartige Möglichkeit etwas zu machen, wofür ich morgens gerne aufstehe, und zwar mehrere Jahre, auch wenn es mal schwierig wird.

Flora: Was sind deine Ängste und Sorgen als CEO und als Co-Founder?

Thomas: Gute Frage! Es gibt natürlich immer die Sorge, das Geschäft nachhaltig finanziell aufzustellen. Dazu gehört:

  1. Bekommen wir die Marke schnell genug hin? Sind wir vielleicht zu früh? Ist die Kundenlandschaft schon bereit für diesen Schritt?

  2. Da bei uns IT-Abteilungen, aber auch HR oder auch direkt die Geschäftsführer bestellen: Bekommen wir die vielen relevanten, aber ganz unterschiedlichen Stakeholder auch angesprochen?

  3. Bekommen wir auch die Qualität gesichert, die unsere Kunden erwarten, wenn das Volumen nach oben geht?

  4. Und natürlich aktuell: Bekommen wir ein Team aufgebaut, das am Ende wirklich am „Thriven“ ist, ein Team, das am Ende wirklich gut zusammenarbeitet und die uns wichtigen Werte nach innen und nach außen lebt? Die Situation auf dem Talentmarkt ist gerade schwierig. Manche Rollen suchen wir schon seit Monaten. Dazu kommt das Thema Diversity. Tatsächlich war es uns echt schwer, auch qualifizierte Female Candidates zu finden. Da setzen wir den Fokus drauf.

  5. Abschließend: Wie grün und nachhaltig können wir sein? Neben dem reinen Produkt gibt es die Verpackungen, den Versand der Güter usw. Welche Materialien und Ressourcen können wir nutzen? Bei einigen Geräten, sind wir aktuell leider noch gezwungen Wickelfolie aus Plastik zu nutzen, um den Transport entsprechend abzusichern. Es gibt nichts was weniger nachhaltig ist als kaputte Geräte. Das ist ein Thema, an dem wir dran sind. Bei allen Themen gibt es Lösungsansätze und Wege, gleichzeitig müssen wir da auch die richtige Balance finden und Themen priorisieren. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir das nach und nach hinbekommen, umfassend ökonomisch nachhaltig zu agieren. All diese Themen treiben mich.

Flora: Wie viele seid ihr aktuell im Team?

Thomas: Wir sind derzeit 8 Fulltime-Member, die auf der Circulee-Payroll stehen. Zusätzlich haben wir Interims-Freelancer und noch ein paar Berater, die bei kritischen Themen dabei sind. Also ca. 15 Leute Full-time. Im August werden wir drei mehr sein.

Flora: Erzähl doch mal ein bisschen über diese Startup Kultur. Was unterscheidet ein Startup von einem Konzern?

Thomas: Eine sehr spannende Frage! Grundsätzlich tendieren große Unternehmen in stark definierten Hierarchien zu arbeiten. Die Prozesse sind wasserfallartig aufgebaut und Entscheidungen müssen mehrere Ebenen durchlaufen. Diese Entscheidung werden abgewartet, bevor die nächsten Schritte gegangen werden. Im Startup existiert genau das Gegenteil: sehr enge, kurze Wege. Derjenige, der die Arbeit macht, wird empowered auch direkt eine Entscheidung zu treffen. Somit wird die Geschwindigkeit zur Entscheidungsfindung dramatisch erhöht. Das Arbeiten findet iterativ und agil statt. Ein Startup fängt mit einem weißem Blatt Papier an und entscheidet mit jedem Schritt. Ein Startup hat einen inhärenten Drang, Dinge anders zu machen. Natürlich hat ein Startup auch Gewinnziele, aber diese sind nicht von einer Legacy oder von einer Historie gesetzt. Es ist von Tag eins komplett offen und frei unkonventionelle Wege zu gehen, die ein existierendes sein Core-Business nicht kann.

Ein weiterer großer Unterschied sind die Leute selbst, mit denen man arbeitet. In einem Corporate Umfeld gibt es Leute, die eine gewisse Zeit in einem Unternehmen verbracht haben und dadurch die Legitimität bekommen haben, zu entscheiden. Ein Startup kann sich den Luxus nicht leisten, Leuten aus Loyalitätsgründen Jobs und Entscheidungsgewalt zu verschaffen. Das wäre der Tod. Es müssen die Personen ran, die für den Job am besten geeignet sind und Probleme mit Kreativität angehen.

Flora: Wie stehst du zu dem Vorurteil, dass Startups total chaotisch sind, auch spät abends noch anrufen und sofort etwas wollen?

Thomas: Ich würde es „geordnetes Chaos“ nennen. Ein Startup fängt ja mehr oder weniger bei null an. Es ist viel „Learning by Doing“ und das wirkt eben dann für viele auch chaotisch. Es muss vieles erst einmal definiert werden und am Anfang macht man eben auch Fehler und lernt daraus. Das gehört dazu. Sehr wichtig ist dabei eben auch das Mindset der Leute die man ins Boot holt.

Flora: Wie sehen denn die Gehälter in Startups aus? Liegen die Konzerne gehaltstechnisch höher?

Thomas: So eindeutig ist es gar nicht, dass ein Konzern besser bezahlt. Gerade in Berlin sind Talente hart umkämpft. Für manche Rollen sind wir gezwungen, stattliche Salärs zu bezahlen. Wie immer, wenn etwas schwer zu finden ist. Hier sind es gute Entwickler, Produkt Designer o.ä.. Ein guter Entwickler wäre in einem Konzern wahrscheinlich unterbezahlt. Das kommt aber auf die Rolle an. In einem Konzern gibt es eine viel größere Spanne, gerade bzgl. Seniorität und Position. Wir wissen alle, dass ein CEO eines großen Konzerns das 10- oder 30-fache von dem verdient, der im Lager die Boxen anfasst. Diese krasse Spanne haben wir nicht. Ich würde sagen, dass ein Startup auch näher am Markt ist und flexibler reagieren kann. Ein Teil der Kompensation eines Startups können auch Anteile darstellen. Somit ist der Mitarbeiter dann Owner dieser Company. Dies ist auch bei circulee der Fall.

Flora: Ich würde auch Anteile von euch nehmen :) Ich glaube fest daran, dass ihr da auf dem richtigen Weg seid!

Thomas: Vielen Dank für das großartige Feedback!

Insbesondere zu deutschen Konsumenten, aber auch zu Unternehmen und den Geschäftskunden muss man erst mal Vertrauen gewinnen.

Flora: Kannst du Circulee in einem Satz pitchen?

Thomas: Wir wollen mit Circulee den Weg in Richtung grüne IT voranbringen, indem wir möglichst viele Unternehmen dazu bekommen wollen, Hardware wieder zu benutzen. Circulee hat das Ziel, den Lebenszyklus von IT-Geräten nachhaltig zu verlängern. Die Unternehmen reduzieren ihre Kosten, ihren CO2-Fußabdruck und unnötigen Elektromüll, der oftmals umweltgiftig ist.

Flora: Herzlichen Dank für das Interview.


Das Interview führte Flora Fliegner, Geschäftsführerin der pack3 GmbH


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