Interview mit Elnaz Yaakoubi
Elnaz Yaakoubi
Elnaz Yaakoubi ist im Iran geboren und in Deutschland aufgewachsen. Sie arbeitet bereits seit 15 Jahren im Bereich der Personalberatung und ist Geschäftsführerin bei Collin Weber.
Als sog. Headhunterin führt sie Unternehmen und passende Job-Kandidaten zusammen.
Yasmin: Bürgerlich heißt du Elnaz („schöner Engel“), aber die meisten kennen dich als „Elli“.
Elli: Schon als Kind im Iran wurde ich Elli genannt. In Deutschland merkte ich, dass sich Elli leichter einprägt. Daher bin ich bei LinkedIn auch unter Elli Yaakoubi zu finden. ;-)
Yasmin: Du bist im Iran geboren und in Deutschland aufgewachsen. Hast du aufgrund deines Migrationshintergrundes Nachteile im Berufsleben erlebt?
Elli: Um mein Studium in Heidelberg zu finanzieren hatte ich mich einmal bei einer Firma für eine Poststelle beworben. Das Telefonat war sehr nett und ich sollte am selben Tag vorbeikommen, um den Vertrag zu unterschreiben. Als ich meinen Namen diktierte, wurde der Dame klar, dass ich nicht in Deutschland geboren wurde und sie antwortete: „So etwas wollten wir eigentlich nicht.“ und „Wir melden uns.“, aber ich habe nie wieder etwas von denen gehört. Heute weiß ich, dass das diskriminierend war.
Allgemein werde aufgrund meines Nichtdeutschen-Aussehens manchmal unterschätzt, dabei bin ich oft deutscher als Deutsch ;-)
Yasmin: Wie kamst du vom Studium des öffentlichen Rechts in die Personalberatung?
Elli: Nach der Erfahrung in der Poststelle, habe ich im Call-Center einen Studentenjob im Verkauf bekommen. Später fand ich einen weiteren „Telefonjob“ bei einer Firma, die für kleine Personalberatungsfirmen die Research-Arbeit übernahm. Viele meiner Freunde haben damals noch über meine „Call-Center-Karriere“ gelacht ;-) Aber so konnte ich dann trotz damaliger Wirtschaftskrise in der Personalberatung starten.
Yasmin: Du bist jetzt 15 Jahre im Personalbereich. Welches war deine erste zu besetzende Position?
Elli: Flavorist! Ich musste erst einmal recherchieren, was das ist. Damals in Heidelberg war ich auf keine Branche spezialisiert, sondern habe für alle Branchen vermittelt.
Yasmin: Headhunter haben nicht in allen Firmen einen guten Ruf…
Elli: Ja, einige haben Angst, dass wir ihre Mitarbeiter abwerben. Aber abwerben kann ich als Headhunter nicht. Ich mache auf eine Möglichkeit aufmerksam, die die Kandidaten vielleicht gar nicht im Blick haben. Wie oft klopft denn genau das passende Stellenangebot an die Tür? Das passiert nur 1-2x im Leben. Kündigen muss der Mitarbeiter aber selbst.
Wir würden nie jemanden überreden, denn wenn der Kandidat nach 3 Monaten wieder geht, hat niemand etwas gewonnen. Es muss schon ein perfect Match sein.
Die beiden größten Wechselmotivationen in Deutschland sind Unzufriedenheit oder eine fehlende Entwicklungsperspektive.
Wenn ich von Chefs nach einem Tipp gefragt werde, ihre Mitarbeiter zu halten, empfehle ich: Bezahlen Sie fair und behandeln Sie Ihre Mitarbeiter fair.
Yasmin: Was verdient denn ein Verpackungsentwickler?
Elli: Die Spannbreite ist sehr groß. Ein Verpackungsentwickler für Blister hat ein anderes Gehalt als einer für Wurstverpackungen oder einer, der Sekundärverpackungen für Haushaltsgeräte herstellt. Auch die Erfahrung spielt eine Rolle.
Im Generellen halte ich nicht viel davon, wenn ein Unternehmen eine feste Vorstellung vom Gehalt hat. Wir haben aktuell einen Bewerbermarkt. Es kommt immer darauf an, was der Mensch noch Wichtiges für die Firma mitbringt, z.B. an Wissen, Erfahrung und Knowhow. Die Firma muss sich überlegen, wie viel ihr die Arbeit von diesem Mitarbeiter wert ist. Ich sage dann gerne: “If you think, good employers are expensive, try bad ones!”
Yasmin; Was reizt dich an der Verpackungsbranche?
Elli: Verpackung ist ja nicht nur „die kleine Faltschachtel.“ Packaging ist so viel mehr! Etiketten, Druck, Verpackungsmaschinen, Materialien etc. Ich lerne immer dazu. Jeder Hersteller braucht Verpackungen. Diese Branche ist so viel vielfältiger, als man glaubt!
Yasmin: Was gefällt dir an Collin Weber?
Elli: Durch Collin Weber konnte ich mich auf eine Branche fokussieren. Mir gefällt, dass ich dadurch ein Gesicht bin. Man verbindet mich in der Branche mit „People for Packaging“ als Ansprechpartner, wenn es um Spezialisten für den Bereich Verpackung geht.
Viele meiner Kandidaten werden irgendwann mal meine Kunden. Darüber freue ich mich jedes Mal. Das ist die höchste Form des Kompliments!
Yasmin: Was gefällt dir an dem Job des Headhunters?
Elli: Jede Jobbesetzung ist für uns sehr schön. Denn wir bringen Menschen zusammen, die sich sonst nicht gefunden hätten. Ein Personalberater wird nur beauftragt, weil die Stelle auf dem üblichen Weg nicht besetzt werden kann. Ein erfahrener Personaler liefert dem Kunden 3, 4 manchmal auch nur 2 Kandidaten, die aber wirklich dem Anforderungsprofil entsprechen. Zum Beispiel ein Kandidat, der genau diesen Job seit 5 Jahren erfolgreich bei der Konkurrenz macht.
Ich würde einem Kunden aber immer sagen, wenn ich einen Auftrag nicht besetzen kann. Ich biete nur die Dienstleistung an, die wir auch erfüllen können. Mein Anspruch ist, jedes Projekt zu besetzen. Lieber überrasche ich mit Erfolg als mit Misserfolg.
Yasmin: Wie wurdest du als Frau bzw. als „junge Mutter mit Migrationshintergrund“ Geschäftsführerin bei Collin Weber?
Elli: Nach meinem Einstieg in Heidelberg wollte ich wieder in eine Großstadt. In Frankfurt fing ich dann als Projektleiter an und stieg zum Head of Research auf. Mit Ende 20 hatte Teams mit bis zu 15 Personen. Ich war im Research sehr, sehr gut und bekam vom Neueinsteiger bis zum Geschäftsführer immer durchweg positives Feedback.
Irgendwann wurden wir von Collin Weber beauftragt, einen Mitarbeiter zu finden. Es stellte sich heraus, dass ich nur knapp 5 km von Collin Weber entfernt wohnte und ich suchte aktiv das Gespräch... Da ich überqualifiziert war, schuf mir Herr Weber die Stelle „Leiterin Search/Research“. Das habe ich 3,5 Jahre gemacht. Letztes Jahr kommunizierte Herr Weber, dass er Unterstützung benötigt und unsere Gespräche führten dazu, dass ich Geschäftsführerin wurde.
So gerne ich im Research gearbeitet habe, ich möchte jetzt als Geschäftsführung agieren, zum Beispiel mir strategische Ansätze überlegen.
Yasmin: Du hattest ein Erasmus Stipendium für Valencia und fährst jedes Jahr wieder hin. Wie unterscheidet sich das Arbeiten dort von Deutschland?
Elli: Spanien hat zwar mehr wirtschaftliche Probleme als Deutschland, aber auch eine andere Einstellung zu Arbeit und Leben. Es ist ihnen nicht wert, in Deutschland 20.000 € mehr zu verdienen. Ihre Lebensqualität ist höher. Sie sitzen immer draußen, trinken ihren Kaffee und die Sonne scheint. Meine Rente möchte ich in Valencia verbringen.
Yasmin: Wie bekommst du Vollzeit-Job und Kind unter einen Hut?
Elli: Das war eine Herausforderung. Ich arbeitete nach der Elternzeit erst in Teilzeit und war eine Weile im Home-Office. Ich habe aber glücklicherweise ein Kind, das kaum krank ist. Manchmal springen Familienmitglieder oder Freunde ein. Im Worst Case und das ist das Schöne an meinem Beruf, kann ich aber auch von zu Hause arbeiten.
Yasmin: Hast du Ängste oder Sorgen?
Elli: Ja, die gibt es immer. Aber ich habe nie Existenzängste, weil wir in Deutschland eine gute Absicherung haben. Trotzdem sorge ich vor und auch einen Plan B finde ich wichtig. Und wenn man arbeiten möchte, findet man immer einen Job.
Viele fanden meinen Wechsel als Mutter eines Kleinkindes nach 8 erfolgreichen Jahren von der Frankfurter Firma zu Collin Weber, mit 6 Monaten Probezeit, zu riskant. Auf das Deckblatt meiner Bewerbung schrieb ich das Zitat von Henry Ford: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist“. Ein bisschen Risiko gehört immer dazu. Ein Misserfolg ist auch mal in Ordnung, wenn man daraus lernt. Oft öffnet sich dann eine neue Tür und am Ende hat alles seinen Sinn gehabt. Aus einer schlechten Situation versuche ich immer etwas zu lernen. Niemand hat ein perfektes Leben. ;-)
Herzlichen Dank für das Interview.
Das Interview führte Yasmin Rahn mit Elnaz Yaakoubi für Flora Fliegner, Geschäftsführerin der pack3 GmbH